Editorial

In seiner "Notiz über den Wunderblock" (1925) erläutert Sigmund Freud am Beispiel dieses einfachen Geräts seine Vorstellung des seelischen Apparats mit seinen Systemen Bewußt, Vorbewußt, Wahrnehmungsbewußtsein. Der Wunderblock besteht aus einer einfachen Tafel aus Wachs und einem doppelten Deckblatt aus Zelluloid und Wachspapier. Mit einem Stift wird in die Zelluloidschicht gedrückt und das Geschriebene wird als dunkle Schrift sichtbar. Hebt man das obere Deckblatt an, verschwindet die Schrift wieder, bleibt aber als Dauerspur in der Wachstafel zurück, die immer wieder überschrieben werden kann. Der seelische Apparat ist ebenfalls in unbegrenzter Weise aufnahmefähig für immer neue Wahrnehmungen und schafft doch dauerhafte, aber nicht unveränderliche Erinnerungsspuren.

Jeder Computer, aber auch das Internet stellt heute einen modernen Wunderblock dar. Alle auf dem Bildschirm und im RAM verloschenen Texte, Grafiken, Klänge etc. können reproduziert werden. Sie haben keinen Ort und können doch an jedem Ort, zu jeder Zeit wieder erstehen.
 

In diesem Sinn reihen sich im MAGAZIN alle Beiträge einer freischwebenden Aufmerksamkeit folgend aneinander. Das WUNDERBLOCKPROJEKT verfolgt Spuren alltäglicher, spielerischer Gestaltungsimpulse. KONTOR versammelt in assoziativer Weise Beispiele multipler Kunst einer ständig wachsenden Zahl von Gastkünstlern  und DER GANZE REST  führt zu verschiedenen eigenständigen Projekten.

Der Wunderblock sammelt, archiviert und macht seine "Erinnerungen" für jeden verfügbar. Er legt Spuren zu neuen Spielräumen.

Viel Spass beim Wundern !

 

 

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